Ego-Striptease?

written by Martin Häcker on

In der Diskussion um den Bundestrojaner finde ich die Frage der definition der Privatsphäre am wichtigsten. (Das ist auch die Abschlussfrage meiner Diplomarbeit, aber dazu später mehr)

Gerade hat ja ein Gericht in den USA entschieden, das alles was über das Internet transportiert ist, oder auf einem am Internet angeschlossenen PC steht, sowieso nicht privat sein kann.

Das finde ich fürchterlich, aber immerhin erkennt das Gericht korrekt, das die neue Technik auch eine neue Definition des Begriffs 'Privatsphäre' erfordert.

Klar ist, das immer mehr Menschen einen immer mehr Daten über sich in einer Form preisgeben, die mit einfachsten Mitteln via Google ermittelt werden kann. (Auf dem 23C3 gab es einen schönen Vortrag zu Profiling und diesen Fragen.)

Was wird also aus Privatsphäre? Die Vergangenheit hat jedenfalls klar gezeigt, das man nicht vorhersehen kann welche Daten, die man heute erzeugt, morgen überall frei zugänglich sind. Usenet Posting waren früher "relativ" privat, bis Google die Archive online gestellt hat. Suchen bei Suchmaschinen waren relativ privat, bis ein Bruchteil der Suchdaten von Yahoo (pseudonymisiert) veröffentlicht wurde. Foren, Mailinglisten, Blogs, del.icio.us, Flickr, studiVZ, Xing, whois - alles verfügbar.

Was mir dabei fehlt ist die Diskussion was denn Privatsphäre ausmacht? Was kann Privatsphäre sein? Wie kann man Privatsphäre für sich reklamieren?

Offensichtlich ist die einfache Antwort: "Ja die leute müssen sich des Problems halt bewust werden, nicht ausreichend, da eben Regulierung auch in der Architektur der Werkzeuge liegt. Soziale Netzwerke werden Nützlicher wenn man diese Daten preis gibt.

Zudem wissen wir nicht was die Zukunft bringt, Jamais Cascios Participatory Panopticon ist für mich als Zusammenfassung sehr wahrscheinlich, aber ob das eben Gut ist, oder schlecht? Who knows. Vielleicht wird unsere Gesellschaft dadurch "Ehrlicher", weil man jede Lüge sowieso sofort enttarnen könnte, vielleicht straft unsere Gesellschaft dadurch aber auch abweichenden Meinungen ab.

In jedem Fall hätte eine Diktatur im vergleich zu früher unheimliche neue Mittel, andererseits, vielleicht auch eine Gegenöffentlichkeit die nicht mehr unterdrückbar ist?

Klar ist das Wir als Informatiker hier und jetzt die Aufgabe haben, die Systeme so zu gestalten, das diese Daten nicht einfach für eine Diktatur zur Verfügung stehen bzw. zur Verfügung stehen werden. Für die Zukunft muss die Diskussion geführt werden, was Privatsphäre bedeutet und wie jeder einzelne in die Lage versetzt werden kann diese zu schützen.

Und das ist schon für sich eine fast unlösbare Aufgabe.